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Wie schwer ist es, ein nachhaltiger Designer zu sein?

Nachhaltigkeit ist seit längerem ein willkommenes Mittel dafür, sich die ethisch korrekt und umweltbewusst gesponnene Wolle über die Augen zu ziehen. Die Frage, die dabei immer wieder gerne in den Hintergrund gerät, ist: Welchen Herausforderungen sehen sich junge Designer gegenübergestellt, die ihre Mode unter moralisch einwandfreien Bedingungen und nachhaltig herstellen wollen?

Nachhaltigkeit ist nicht gerade ein sexy Wort und klingt eher nach (modischer) Langeweile als nach High Fashion. Nicht verwunderlich also, dass sich große Labels, die sich zwar in eine grüne(re) Richtung bewegen, dieses Wort nicht auf die Fahne schreiben. Gucci etwa. Der italienische Modekonzern hat bei der Herstellung der beliebten und bei Bloggern derzeit geradezu omnipräsenten Dionysus Bag das umweltschädliche PVC gegen das schonendere Polyrethan eingetauscht. Doch anstatt mit dieser durchaus erwähnenswerten Nachricht hausieren zu gehen, vermeidet es Gucci, seine luxeriöse Kundschaft mit dem Wort Nachhaltigkeit zu langweilen, und vermerkt auf seiner Website lediglich, dass das neue Material eines mit ‘geringer Umweltbelastung’ sei.

Die Modeindustrie lebt vom Konsum. Und steht als größter Umweltverschmutzer der Welt nach der Ölindustrie gleich an zweiter Stelle. In diesem Zusammenhang von Nachhaltigkeit zu sprechen, klingt mehr als paradox. Es ist ganz offensichtlich, dass in der Mode sehr wenig wirklich nachhaltig ist. Es geht demnach bei einem ersten Schritt vielmehr darum, auf Materialien zu setzen, die weniger umweltbelastend sind als andere bzw. auf schädliche Materialien zu verzichten. Wie Leder zum Beispiel. Denn Leder ist hinsichtlich seiner Ökobilanz eines der verheerendsten Materialien überhaupt. Der Herstellungsprozess ist mühsam sowie aufwendig und verbraucht eine Menge an Ressourcen. Und da ist das Leben einer Kuh etwa noch nicht mit inbegriffen.

Neben der Produktion von Kleidung müssen sich junge Designer auch mit Einkäufern und deren Zeitplänen auseinandersetzen. Dabei mit Lieferzeiten großer Marken mithalten zu können, ist ein schwieriges Unterfangen. Schließlich sollen auch die kleinen Labels, die vieles von Hand fertigen, genauso schnell liefern wie die Großen, bei denen überwiegend maschinell hergestellt wird.

Auch bei der Beschaffung der Stoffe kann es zu Schwierigkeiten kommen. Hat ein junger Designer erst einmal einen Hersteller gefunden, der seine Stoffe auch noch nachhaltig und fair produziert, gibt es häufig Mindestabnahmen von mehreren tausend Metern. Das können viele kleinere Labels finanziell nicht stemmen.

Bei einer Massenproduktion von 600 Millionen Kleidungsstücken jährlich wie beim High-Street-Riesen H&M bekommt das Wort Nachhaltigkeit eine ganz andere Bedeutung. Der schwedische Fast-Fashion-Gigant ist einer der größten Abnehmer von Bio-Baumwolle in der Welt. Der Haken an der Sache ist nur, dass auch diese Bio-Baumwolle am Ende auf der gleichen Deponie landet wie der Rest unserer Kleidung. Zudem werden nur 13,7 Prozent der Kleidungsstücke aus Bio-Baumwolle hergestellt. Im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht gibt H&M an, einer der größten Nutzer von recyceltem Polyester zu sein.

Das klingt im ersten Moment toll. Doch wenn man bedenkt, dass die Aktionäre jedes Jahr mit Wachstum rechnen und ein immer größeres Stück vom Marktanteil erwarten, bekommt das Ganze schnell einen schalen Beigeschmack. Und trotzdem werden die bewussten Käufer die nächste Conscious Collection in den Warenkorb legen und sich dabei gut fühlen, ein T-Shirt für wenige Euro erstanden zu haben. Gefertig von einem Arbeiter in Bangladesch, der im Monat weniger verdient als wir hierzulande für unsere Handyrechnung zahlen.

Ein generelles Problem ist die Schnelllebigkeit der Mode. Sechs Kollektionen im Jahr sind überhaupt keine Seltenheit. Und nicht nur für die Designer und ihr Kreativteam, die im Akkord neue Trends entwerfen sollen, sondern auch für die Unwelt absolut verheerend. Mit einer Armee an niedrigbezahlten Arbeitskräften schaffen es die High-Street-Ketten binnen weniger Wochen die Trends der Laufstege zu kopieren und auf ihre Kleiderstangen zu bringen.

Für einen Designer ist es eine Herausforderung, nachhaltig zu sein. Aber nicht unmöglich. Es braucht viel Zeit, einen verlässlichen Rahmen einzurichten. Eine komplett nachhaltige Kollektion zu entwerfen, die keinerlei ästhetische Kompromisse eingeht, ist anspruchsvoll und erfordert eine ausgiebige Recherche, Geduld und Durchhaltevermögen. An uns Verbrauchern ist es gelegen, unser Konsumverhalten zu ändern. Und wenn wir am Ende dadurch auch nur einen kleinen Beitrag für Mensch und Umwelt geleistet haben, hat sich jede Anstrenung gelohnt!

 

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  • Bina Nöhr

    Ein schöner und sehr wichtiger Post!
    Liebst, Bina
    stryleTZ

    • Thank That

      Danke, liebe Bina!