Photo by Brian Boulos (CC)

Teuer heißt nicht gleich besser

Auch bei hochpreisigen Marken ist Vorsicht geboten. Der Verkaufspreis lässt leider nicht auf die Löhne der Näherinnen in den Fabriken schließen.

Wer Kleidung teurer als bei H&M, Zara oder Primark kauft, denkt oft, dass die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter, die an dem Kleidungsstück mitgearbeitet haben, besser sein müssen. Auch die Löhne müssten logischerweise an den Verkaufspreis der Klamotte angepasst sein. Leider ist diese Schlussfolgerung weit gefehlt. Nur weil etwas teurer ist, ist es nicht automatisch besser. Das haben auch jüngst wieder die Macher der Reportagereihe “ZDFzoom” bewiesen. Die aktuelle Dokumentation “Gewinn statt Gewissen? Teure Mode, billig produziert” geht dem deutschen Modelabel Marc Cain auf den Grund, das sich damit brüstet, seine Kollektionen noch in Deutschland zu produzieren.

Blöd nur, wenn Etiketten der Marke dann nach einiger Recherche in Nähfabriken in Rumänien auftauchen, wo die Näherinnen einen Stundenlohn von 1,40 Euro bekommen. Die Aussagen der Näherinnen in der Reportage erinnern an Zustände in Asien, denn auch die rumänischen Arbeiterinnen klagen: “Es ist hart, über die Runden zu kommen.” Arztbesuche können wegen zu wenig Geld nicht sofort getätigt werden und auch Reparaturen am Wamrwasserboiler müssten vertagt werden, da das Geld hinten und vorne nicht reichte, erzählt eine der Näherinnen, die in dem Film unkenntlich gemacht wurde.

Helmut Schlotterer, Gründer und Geschäftsführer der Marke Marc Cain interessiert das herzlich wenig. Im Interview im Film sagt er, er wisse nicht, wieviel seine Arbeiterinnen in Rumänien verdienten. “Ich weiß aber, dass es europäische Standards sind, die dort vorherrschen: rumänischer Art zwar und nicht deutscher Art. Damit muss ich mich mal zufriedengeben.”

Immerhin war er der Einzige, der sich getraut hat, vor der Kamera zu erscheinen. Andere angeprangerte Marken verweigerten – wie so oft – eine Stellungnahme.

Wer sich wirklich sicher sein will, dass Angestellte in der Textilindustrie gerecht behandelt und ordentlich bezahlt werden, sollte sich an die Fair Wear Foundation halten. Dort sind alle Marken aufgelistet, die sich verpflichtet haben, die Arbeitsbedingungen der Näher und Fabrikarbeiter auf einem gerechten Standard zu halten. Interessant ist dabei, dass zwar auch Luxusmarken wie Acne Studios aufgelistet sind, die meisten Marken aber im mittelpreisigen Segment vertreten sind. Sogar die Billigkette Takko-Fashion schafft es offensichtlich, seinen Mitarbeitern ein angemessenes Gehalt zu zahlen. Und das bei einem T-Shirt Preis von 9,99 Euro!

 

Jan'n June
Jan N’ June

 

Auch bei jungen Labels die sich als “Green Fashion” verstehen, kann man sich den gerechten Arbeitsbedingungen sicher sein. Denn wer sich die Mühe gibt, in ganz Europa nach den besten Textil- und Nähfabriken zu suchen, dem liegt auch das Wohl des Arbeiters oder der Näherin am Herzen. Tolle Beispiele sind momentan Jan N’ June oder Frisur Clothing.

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