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Resurrection – Wiederauferstehung

Nachhaltigkeit im Modekonsum – Ein zweites Leben für „alte“ Kleider

Wer kennt ihn nicht, den „Schnäppchenkick“, das kurze Hochgefühl nach dem Erwerb eines tollen Kleidungsstücks für wenig Geld. Oder das Glück, das man empfindet, wenn man sich das erste Mal in diesen neuen wunderschönen Stiefeln, mit deren Kauf man so lange gerungen hat, der Öffentlichkeit präsentiert. Doch die meisten von uns kennen auch die andere Seite der Medaille: Die Kleiderleichen, die in unseren Schränken traurig am Bügel hängen, die verstaubten Schuhkartons mit Stiefeln, Sandalen, Pumps, die dann doch irgendwie zu klein waren, oder zu gewagt, oder leider zu nichts passten. Aussortieren und Weggeben fällt uns Jägern und Sammlern immer noch schwer.

Eine viel beachtete, am 23. November 2015 unter dem Titel „Mode, Bewusst“, veröffentlichte Erhebung von GREENPEACE https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/textilindustrie/mode-bewusst kommt zu dem Ergebnis, dass 40% der 5,2 Milliarden im Besitz der Deutschen befindlichen Kleidungsstücke „selten oder nie getragen“ werden. Dennoch shoppen wir fröhlich weiter. Laut einem Spiegel Artikel kaufen wir im Schnitt 60 neue Teile pro Jahr.

 

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By Jochen Sand

 

Große Modeketten, wie Zara, Primark, H&M, etc. profitieren natürlich von diesem Konsumverhalten und schüren es noch durch 14-tägig wechselnde Kollektionen. Die Produktion hat sich so in den letzten 15 Jahren verdoppelt, die Tragedauer hingegen halbiert.

Die Konsequenzen tragen in erster Linie die Menschen und die Umwelt, die wir in unseren cleanen, klimatisierten Shops nicht zu sehen bekommen. Ausbeutung von Arbeitern, ein horrend hoher Wasserverbrauch, und die Freisetzung von giftigen Chemikalien passieren in den Billigproduktionsländern Asiens, weit weg von uns, weg aus unserem Bewusstsein.

 

Kleidung hat ihre Wertigkeit verloren. Was heute noch Trend ist, landet schon morgen im Altkleidercontainer. Was kaputt ist, wird weggeworfen statt repariert.

So handhaben es zumindest laut Greenpeace die meisten Deutschen, wenn auch teilweise vielleicht mit schlechtem Gewissen. Der Ruf der Verbraucher nach besseren Produktionsbedingungen und mehr Nachhaltigkeit ist zwar laut und hat bereits zu mehr oder weniger großen, positiven Veränderungen bei einigen Herstellern geführt, im Kaufverhalten schlägt sich das jedoch wenig nieder. Eine jahrzehntelange Konditionierung der Kunden will uns glauben lassen: „Nur in der neuesten Kollektion bist du up-to-date! Wenn dir etwas passt und gefällt und preislich unschlagbar ist, greif zu!“ – und das tun die meisten dann auch brav, ob im Supermarkt nebenan, oder in der Shopping Mall. Nachhaltigkeit? Bitte hinten anstellen! Nur 25% achten laut der Greenpeace Umfrage beim Kauf tatsächlich auf Siegel.

 

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By Jochen Sand

 

Doch zum Glück gibt es eine Gegenbewegung zur Überproduktion und bereits viele Alternativen, die Nachhaltigkeit im Modekonsum zu unterstützen: Kleiderkreisel, Flohmärkte, Second Hand- Läden, Upcycling-Initiativen und Tauschpartys werden von vielen genutzt, um sich den „Schnäppchenkick“ gepaart mit echter Wertschätzung für das neue, gebrauchte oder upcycelte Kleidungsstück zu holen.

 

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By Jochen Sand

 

In einer Coop mit der von der CARITAS Stuttgart betriebenen Second Hand Boutique PragA, haben Jochen Sand und Irmela Schwengler eine eindrucksvolle Modestrecke produziert. Alle Kleidungsstücke, Schuhe und Accessoires, auf den Bildern stammen aus dem Angebot von PRAG A.

Die Fotos von Jochen Sand sind ein eindringliches Plädoyer dafür, alte und scheinbar tote Kleider eine Wiederauferstehung (Resurrection) erfahren zu lassen, indem sie auf neue Art kombiniert und drapiert werden – sogar wenn sie wie hier nicht der eigenen Konfektion entsprechen, sondern Oversize sind.

 

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By Jochen Sand

 

Die Fotos bringen wunderbar zum Ausdruck, dass der eigene Stil, das Gefühl für Ästhetik und schönes Design nicht an aktuelle Modetrends und Marken gebunden ist, nicht mal an das Jahrzehnt in dem wir leben.

 

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By Jochen Sand

 

CREDITS:

 

 

Model: Laura S. c/o Place Model Management, www.placemodels. com

H / M: Corine Spies, www.makeuphair.de

Styling: Irmela Schwengler

Photographer: Jochen Sand, www.sandworks.photo

Fashion: http://www.prag-a.de

 

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