Fair Fashion

Mila Meruter – Das Berliner Label im Interview

Die kreative Modeschöpferin hinter Mila Meruter hat Thank That verraten, was ihre Mode so besonders macht und wie sie ihren bisherigen Weg in der Modebranche bestritten hat.

Die fiktive Persönlichkeit Mila Meruter ist im Zuge der Abschlusskollektion der Jungdesignerin Jessica Hüppe entstanden und ist nun der Name des eigenen Labels.

Thank That: Liebe Jessica, was hat dich zur Mode gebracht?

Jessica Hüppe: Die erste Frage ist eine sehr bedeutsame für mich, denn sie hängt mit frühen Erinnerungen an meine Kindheit zusammen. Es gab ein Schlüsselerlebnis, als meine Mutter mir ein eigenes Kostüm für den Fasching an ihrer Nähmaschine nähte, welche ich zum ersten Mal ausprobieren durfte. Ich war damals etwa 8 Jahre alt. Es war eine ganz alte Maschine ohne Strom, die man noch selbst betätigen musste. Das Ganze war so faszinierend für mich: Das Zusammenspiel von Handwerk und der Ästhetik der Mode, etwas Eigenes zu schaffen und das ein Stück weit mit der Welt dort draußen zu teilen; zu zeigen wer man ist oder wer man sein möchte. Ein paar Jahre später fertigte ich die Kostüme für meine Tanzformation. Von da an wurde die Idee zum Plan – ich wollte Modedesigner werden.

 

Independent Fashion

 

Thank That: Wie hast du dich damals für einen Weg entschieden, um Modedesigner zu werden, welcher war das und wieso?

Jessica Hüppe: Ich bewarb mich damals weitestgehend an Hochschulen und Privatschulen, an denen handwerklich und sehr praktisch gearbeitet wurde. Viele Modeschöpfer entwickeln den Wunsch Designer zu werden, aus ihrer Liebe zum Zeichnen und Malen. Keine Frage, ich zeichne auch sehr gern, bei mir war es jedoch mehr das Handwerkliche – Nähen, Drapieren und Abformen – was mich daran reizte. Mit der Entscheidung für ein Studium der Mode habe ich für mich den besten Weg gewählt. Ich bin an der Modedesignschule in Schwerin angenommen worden, an der sehr praxisnah gearbeitet wird. Hier ist der Nähunterricht ein fester Bestandteil des Studiums und die praktischen Module sind eng verzahnt mit den theoretischen Fächern.

 

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Thank That: Was ist Mila Meruter für eine Kollektion? Was hat dich inspiriert?

Jessica Hüppe: Bei mir laufen alle Kollektionen unter dem Labelnamen „Mila Meruter“ – er ist durch meine Abschlusskollektion in der Ausbildung entstanden. Die Herbst/Winter-Kollektion ist klassisch und romantisch angehaucht – wie alle meine Kollektionen. Die ständige Inspiration basiert bei mir auf Erlebnissen in der Natur, neuen Bekanntschaften mit tollen Menschen, neuen Sportarten, die ich ausprobiere oder einfach nur tollen Gesprächen. Lieblingsthemen sind dabei bestimmte Musikkünstler oder schöne Veranstaltungen und deren Orte. Die besten Ideen kommen mir im Alltag, vor allem aber nachts kurz vor dem Einschlafen, so auch die Inspiration für diese Kollektion. Die Vorstellung, wer die fiktive Person Mila Meruter ist und wie sie sich neu entdeckt, lässt für mich viel Gestaltungsspielraum, in dem ich mich entfalten und ausleben kann.

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Thank That: Wie würdest du den besonderen Stil deiner Kleidungsstücke beschreiben und sind Begriffe wie In, Trend oder Modern für dich relevant?

Jessica Hüppe: Übergreifend würde ich die Kollektion unter der klassischen Mode einordnen. Folkloristische Einflüsse, leichte antike Noten und die Romantik des Landstreicherdaseins lassen sich aber nicht abstreiten. Ich liebe es, verschiedene Eindrücke in einem Kleidungsstück verschmelzen zu lassen oder Stile miteinander zu kombinieren. Der Trend hat für mich im Vorfeld, wenn es um die Idee selbst geht, kaum Relevanz. Was im Anschluss daraus entsteht, ist zwar speziell, aber immer vor dem Hintergrund entstanden, etwas Tragbares zu kreieren und vor allem die Eleganz in den Alltag zurückzubringen. Dadurch, dass viele verschiedene Inspirationsquellen in meinen Kleidern zusammenlaufen, spreche ich mehrere Zielgruppen und Altersklassen an, sodass die Modernität oder der Trend durchaus in meiner Mode seinen Platz findet.

 

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Thank That: Was ist dir bei deiner Mode und deinen Entwürfen wichtig?

Jessica Hüppe: Für mich ist in erster Linie wichtig, dass meine Kollektionen aus hochwertigen Materialien gefertigt werden. Ich setze zum Großteil auf natürliche Stoffe wie Seide, Baumwolle und Schurwolle. Ich verfolge das Thema Nachhaltigkeit recht intensiv, indem ich zum einen meine Mode selbst fertige und zum anderen so entwerfe, dass ein Stück mehrere Verwendungszwecke und Tragemöglichkeiten hat. Jedes Stück ist ein Unikat oder nur in kleinen Stückzahlen zu haben.

 

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Thank That: Was ist dein nächstes Projekt?

Jessica Hüppe: Mein nächstes Projekt ist ein persönliches. Ich werde mich auf den Jakobsweg begeben, um meine ganzen Eindrücke später in der nächsten Kollektion verarbeiten. Solche Ziele bringen mich selbst und meine Mode voran und machen es leichter, mich immer wieder neu zu erfinden und zu ordnen. Ich bin in jedem Fall gespannt darauf, wie die neue Kollektion dann aussehen wird und was sie von meinen vorherigen Entwürfen unterscheiden wird.

Thank That: Was treibt dich in deinem kreativen Schaffen an und wie würdest du dich menschlich beschreiben?

Jessica Hüppe: Der Antrieb für das kreative Schaffen bin ich selbst. Ich bin oft rastlos mit meinen nicht selten konfusen Gedankengängen und versuche diese als Ausweg oder Ausflucht in meine Mode münden zu lassen. Und das funktioniert – es ist ein sehr gutes Mittel zum Entspannen. Ich bin eine verträumte Person mit dem Hang zum Abstrakten; offen aber schüchtern, ehrlich und direkt, manchmal wirr. Ich habe ein großes Herz für liebe Menschen und versuche immer hilfsbereit zu sein.

 

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Thank That: Was würdest du angehenden Modedesignern ans Herz legen wollen?

Jessica Hüppe: Ich  würde ihnen immer raten, dass sie sich treu bleiben und auf sich vertrauen sollen. Das habe ich oft zu wenig gemacht und im Nachhinein festgestellt, dass es sinnvoller gewesen wäre, auf mein Bauchgefühl zu hören. Ratschläge sollte man aber dennoch annehmen können und zuhören, was andere Designer für Erfahrungen gemacht haben – gerade in der Selbstständigkeit ist das wichtig!

Thank That: Wo kann man dein Label und Updates zu deinen Projekten finden?

Jessica Hüppe: Ich habe eine Facebook-Künstlerseite und bin unter meiner Mailadresse zu erreichen. Neben meinen Kollektionen fertige ich auch auf Anfrage.

Fotos: Manuela Richter Fotografie

Make-up und Haare: Haar & Eisen Potsdam

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  • http://www.nissimendes.ch/ Nissi Mendes

    Was für ein cooler Post!!
    Man sieht, dass die Stoffe hochwertig sind.

    Liebe Grüsse
    Nissi

    http://www.nissimendes.ch