8731789941_0d712ef932_o

Moral und Modeindustrie?

Transparenz in der Lebensmittelindustrie? Ja, bitte! Aber wie steht es um die Wertvorstellung der Verbraucher, wenn es um Kleidung geht?

In der Lebensmittelindustrie ist Menschen Moral und Ethik um einiges wichtiger, als wenn es um Kleidung geht. Das zumindest zeigt eine Studie von Mintel, in der 78 Prozent der Briten sagten, ihnen sei artgerechte Tierhaltung wichtig. Nur 57 Prozent fanden es ebenfalls wichtig, dass Angestellte, die in der Lebensmittelindustrie arbeiten, unter gerechten Arbeitsbedingungen beschäftigt sind. Der Artikel, der vor Kurzem auf Management Today veröffentlicht wurde, greift die Problematik auf, dass Verbrauchern oft das Wohl des Tieres mehr am Herzen liegt, als das des Arbeiters. Denn das ein T-Shirt bei Primark und Konsorten 2 Euro kosten kann, hinterfragt niemand. Für Eier von Biohühnern und Milch von der glücklichen Kuh gibt man aber sehr wohl gern mehr Geld aus.

Vergangenen Sonntag war die Tragödie in Rana Plaza genau drei Jahre her und doch scheint sich in den Köpfen der Menschen der westlichen Welt nicht viel geändert zu haben, was den Kleiderkonsum betrifft. Denn im Jahre 2014 konnte Primark eine Umsatzsteigerung von 17 Prozent verzeichnen, das Jahr direkt nach Rana Plaza. Man stelle sich vor, was passiert wäre, wenn in einem Milchbetrieb 1 134 Kühe wegen nicht tiergerechter Haltung zu Tode gekommen wären. Wahrscheinlich wären Demos in vielen Ländern auf den Plan gerufen worden, der Bauer hätte seinen Betrieb schließen müssen.

Außerdem wird die Produktionskette bei Lebensmitteln immer transparenter, Verbraucherschützer geraten auch in Deutschland unter mehr Druck, denn der Endverbraucher will immer öfter wissen, woher sein Essen kommt und was drin ist. In der Modeindustrie geht es dagegen nur schleppend voran. “Ein Mangel an Tansparenz kostet Leben”, meint auch Carry Somers, Modedesignerin und Co-Initiatorin der Kampagne “Fashion Revolution“. Ein weiteres Problem, das der Artikel anspricht sei auch, dass mit ethischem Essen ein Bild von grünen Wiesen, glücklichen Tieren und Farmern, die ihre Tiere liebevoll aufziehen entsteht. Ethische Kleidung verbinden die meisten leider noch immer mit “Sackleinen, Hippies und Hanf”. Obwohl diese Sichtweise schon längst überholt ist. Es gibt inzwischen genug Marken, die nachhaltig und fair produzieren und dabei modisch ihren Konkurrenten in nichts nachstehen.

Bis das aber in den Köpfen der gewöhnlichen Verbraucher ankommt, die sich nicht mit Mode oder Nachhaltigkeit beschäftigen, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Aber immerhin bemühen sich Primark, H&M und Co inzwischen darum, transparenter zu werden. Auch wenn es ein langer Weg ist, die ersten Weichen sind gelegt.

Share this:

Einfach kommentieren