H&M FAIL (2)

H&M – Fast Fashion Wegbereiter in Sachen ethische Produktion?

H&M ist hinter seinen Nachhaltigkeitszeilen zurück geblieben.

2013 schockten die Bilder der kollabierten Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesh die Öffentlickeit. Über 1000 Menschen fanden hier in den Trümmern den Tod, mehr als 2000 wurden verletzt. Der Höhepunkt einer Serie von Unfällen in Textil-Zuliefererfabriken, die ihre wirtschaftlichen Interessen vor den Schutz ihrer Angestellten und vor die Achtung eines würdevollen Lebens stellen. Nutznießer dieses menschenrechtsverletzenden Systems sind Firmen wie z.B. Primark, Marks&Spencer, NKD, C&A, KiK oder H&M, die dort billig produzieren lassen und nicht zuletzt die Verbraucher der „Geiz-ist-geil-Gesellschaft“, die diese billig produzierte Kleidung in ebendiesen Modeketten kaufen.

H&M, Modekettengigant mit 19,9 Milliarden Umsatz im Jahr (2014), ist einer der größten Auftraggeber für Textilzulieferer in Bangladesch und Kambodscha. Seit die dort vorherrschenden Missstände sich immer mehr in das wachsende ökologische und soziale Bewusstsein der Kunden drängen, wirbt H&M massiv mit seinem Bemühen um Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit.

 

Flickr Commons by Reuben Strayer
Flickr Commons by Reuben Strayer

 

Im Jahr 2013 verpflichteten sich H&M und andere Firmen im „Fair Living Wage Commitment“, die Mindestlöhne in ihren Zuliefererfirmen auf einen Betrag zu erhöhen, mit dem die Fabrikarbeiter würdevoll leben können. Die britische Länderorganisation Labour behind the Label der internationalen Clean Clothes Campaign hat nun die Studie „Do we buy it?“ veröffentlicht, in der der Frage nachgegangen wird, inwieweit diese Versprechen bisher umgesetzt wurden. Auch Zulieferer von H&M waren Teil dieser Studie. H&M hatte versprochen bis 2015 bei 30% aller Zulieferer existenzsichernde Löhne durchzusetzen, bis 2018 bei 100%. Das beträfe dann etwa 850 000 Textilarbeiter.

Die Höhe eines fairen Mindestlohns, z.B. in Kambodscha, wurde von den Arbeitern selbst auf sehr bescheidene 230 $ geschätzt, der Gewerkschaftsverband Asia Floor Wage schätzt den eigentlichen Bedarf jedoch auf 399,05$. Tatsächlich liegt der Basislohn bei den meisten Zulieferern immer noch bei 130,48 $ netto im Monat. Durch Überstunden, Boni und Feiertagsarbeit kann dieser Lohn aufgestockt werden, so dass am Ende zwar mehr Lohn gezahlt wird, jedoch auch noch mehr dafür gearbeitet werden muss.

Manche Fabriken sind dazu übergegangen nur noch befristete Arbeitsverträge abzuschließen, was den Arbeitnehmern jegliches Recht auf Urlaubstage, Lohnfortzahlung, etc. nimmt. Ein anderes Modell ist die Umstellung auf die Bezahlung nach Stückzahlen, was dazu führt, dass die Arbeiter buchstäblich arbeiten bis sie umfallen, um die utopischen Vorgaben zu erreichen. Auch hier gibt es zwar mehr Lohn, dafür bezahlen sie jedoch letztenendes mit ihrer Gesundheit.

Labour behind the Label prangert an, dass H&M seine Ziele bisher noch nicht erreicht hat und erklärt die Kampagne zum glatten „Fail“. Es fehle gänzlich an nachprüfbaren Zielvereinbarungen, Zahlen und Daten, die eine Überwachung des Fortschritts ermöglichen würden. Auch aus Arbeitnehmersicht gebe es kaum konkrete Verbesserungen. Ob das Ziel bis 2018 noch erreicht wird, bleibt fraglich.

Seit neuestem kann man sich auf der H&M Homepage das „sustainability commitment“  herunterladen, das H&M seinen Zulieferern zum Unterschreiben aushändigt. Darin ist an alles gedacht: Arbeitnehmerschutz, Ausbildung, Kinder- und Jugendschutz, Tier- und Umweltschutz, Recycling, Nachhaltigkeit, etc. Doch auch hier gibt es keine messbaren und überprüfbaren Vorgaben und auch keine Sanktionen, sollten diese „Auflagen“ nicht erfüllt werden.So bleiben diese Vereinbarungen aus meiner Sicht bisher nicht mehr als fromme Wünsche und ein geschicktes ethisches Marketing.

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