Fair Trade Zertigikate 2

Fairtrade-Zertifikate: Der lange Weg zur Perfektion

Der Markt für schicke Kleidung aus nachhaltiger Produktion hat in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage erfahren. Als Verbraucher möchte man sicher sein, dass ein aus biologischer Herstellung gekennzeichnetes Kleidungsstück tatsächlich nach ökologischen Maßgaben angefertigt wurde.

Der Markt für schicke Kleidung aus nachhaltiger Produktion hat in den vergangenen Jahren eine steigende Nachfrage erfahren. Als Verbraucher möchte man sicher sein, dass ein aus biologischer Herstellung gekennzeichnetes Kleidungsstück tatsächlich nach ökologischen Maßgaben angefertigt wurde.

Faire Mode als Trend mit Potenzial

Das Label American Apparel gilt in den USA als einer der Vorreiter für Mode, nicht unter fairen Bedingungen hergestellt werden. Das Unternehmen distanziert sich von der Produktion in Billiglohnländern, in denen die Arbeitsbedingungen jedes Mindestmaß an Menschlichkeit vermissen lassen. Dass sich die Marke mit Attributen wie „Sexiness“ und „Coolness“ schmückt und mit der entsprechenden Mode sehr erfolgreich am Markt agiert, muss kein Widerspruch sein. Vielmehr ist es offenbar die erstaunliche Mischung aus auffallender Mode und wohltuender Moral, die der Verbraucher zunehmend nachfragt. Einige Designer setzen deshalb schon frühzeitig auf eigene Öko-Kollektionen. Sehr Mutige in der Branche lassen sich auf die Gründung eines eigenen Ethik-Labels ein. Die Bandbreite der Anbieter ökologischer Mode reicht von den eigenen Marken Edun, Stewart & Brown, Kuyichi, Katharine E Hamnett und Misericordia über Onlineshops im Internet mit Kleidung aus nachhaltiger Produktion bis hin zu großen Konzernen und Versandhändlern wie Otto, der die Ökolinie Pure Ware im Angebot hält. Recht neu auf dem Markt ist die Bio-Babykleidungkollektion von H&M, und Levis´s kündigte kürzlich mit der Levi´s Eco eine Jeans aus biologischer Baumwolle an. Hinter der steigenden Nachfrage steht die Zielgruppe der jungen Großstädter mit einem gehobenen Einkommen. Sie sind mit dem Kauf eines Produkts aus einer ökologischen Modelinie auch Teil einer beeindruckenden Erfolgsgeschichte.

 Bio Zertifikate

Die Story hinter dem Erfolg

Für den Kunden ist das Label des Kleidungsstücks häufig das Symbol für seinen sozialen Anspruch. Die Trainingsjacken aus dem Haus Misericordia waren ursprünglich Uniformen für Schulkinder und Waisenkinder aus dem kleinen Ort Ventanilla in Peru. Das auffallende Kleidungsstück wurde von zwei Franzosen nach Europa gebracht. Zum damaligen Zeitpunkt waren in der Modeszene sportliche Jacken mit Stil der 1980er Jahre sehr gesucht. Die Misericordia-Jacken trafen den Geschmack der modischen Klientel. Heute steht die Marke Misericordia für ein kleines peruanisches Label, das aus Verkaufsgewinnen eine eigene Schneiderwerkstatt aufbauen konnte. Die Angestellten werden fair entlohnt, sie haben einen sicheren Arbeitsplatz und erhalten eine Kranken- und Rentenversicherung. Die Kinder aus armen Familien dürfen in dem Betrieb nach der Beendigung der Schule eine Ausbildung machen. Der Käufer einer Misericordia-Jacke darf mit jedem Erwerb von sich behaupten, eine zukunftsweisende Erfolgsgeschichte zu unterstützen. Für die Marketingexperten sind diese Geschichten dagegen immer ein Geschenk, auf dem man sehr werbewirksam aufbauen kann. Eine solche Erfolgsstory lässt sich immer weiter vermarkten und dürfte auch in einigen Jahren das Potenzial haben, die Verkaufszahlen zu steigern.

 

Es dürften die Projekte hinter den ökologischen Labels sein, die die überraschenden Wachstumsraten ermöglichen. Der Gründer von American Apparel eröffnete erst im Jahr 2003 seinen eigenen Laden, heute gibt es weltweit 138 Shops. Das Unternehmen zählt 5.000 Mitarbeiter und machte im letzten Jahr einen Umsatz von 250 Millionen Dollar. Das holländische Label Kuyichi aus dem Hause Solidaridad ist ein weiteres Beispiel für die Erfolge, die faire Mode verzeichnen kann. Von 2004 auf 2005 konnte die Marke ihren Umsatz von 3,4 Millionen Euro auf gut sechs Millionen Euro nahezu verdoppeln. Die Prognosen für die kommenden zwei Jahre liegen derzeit bei 12 bis 14 Millionen Euro Umsatz jährlich.

Gefördert durch Prominenz und Politik

Ermöglicht wird dieses Wachstum nicht nur durch das schicke Design und durch die Ansprüche der Käufer an Ethik und Moral. Unterstützung erfährt die Branche schlicht auch dadurch, dass Umweltschutz und soziales Engagement von Gesellschaft und Politik zu einem Trend erklärt wurden, mit dem sich sogar Prominenten gerne schmücken. Hollywood-Stars engagieren sich in Umweltschutzprojekten oder sind in der Entwicklungshilfe aktiv. Labels wie Stewart & Brown, Edun oder Ciel sehen ihre Kleidung an bekannten US-Schauspielerinnen.

 

Das Modemagazin Vanity Fair bringt eine eigene „grüne Ausgabe“ heraus, und aus der Politik wird der neue Trend mit den Vorhaben zur Klimawende unterstützt. Dass der Anteil der ethisch produzierten Mode am Markt derzeit noch gering ist, führt in der Branche durchaus zu Skepsis. Ob die Nachfrage weiter steigt, muss sich angesichts der hohen Preise für die faire Mode noch zeigen. Wenn eine Jeans aus ökologischer Herstellung mindestens 120 Euro kostet, wird klar, dass die Käufergruppe vor allem in der jungen und gut verdienenden Generation zu finden ist. Ungeachtet aller Kritik sehen die Förderer des Trends in den kommenden Jahren einen zunehmenden Bedarf an ökologisch hergestellter Mode. Um das Vertrauen der Käufer in den Ruf der grünen Labels nicht zu gefährden, muss der Verbraucher allerdings sicher wissen, dass eine nachhaltig produzierte Jeans auch wirklich fair hergestellt wurde. Die bisher in der Mode bekannten Gütesiegel bieten erste Ansätze, garantieren aber noch keine umfassende Zertifizierung.

Viele Siegel, keine Einheitlichkeit

Es ist eine einfache Frage, die eine einfache Antwort erfordert: Was ist eine Biohose? Natürlich sollte sie aus biologisch hergestellter Baumwolle bestehen. Nicht nachgewiesen ist allerdings, wie die Faser zu Stoff verarbeitet wurde und welche Färbemittel oder Chemikalien verwendet wurden. Unklar ist, in welchem Land das Kleidungsstück genäht wurde und wie sie gebleicht wurde. Selbst ein Etikett mit der Aufschrift „Bio“ sagt darüber nichts aus. Es gibt europaweit keinerlei gesetzliche Vorgaben, welche Anforderungen ein Kleidungsstück mit der Bezeichnung „Bio“ erfüllen muss. Während bei Lebensmitteln die EU-Bio-Verordnung aus dem Jahr 2007 greift, gibt es eine solche Vorschrift für Kleidung bisher nicht. Deshalb darf Kleidung letztlich unbeschränkt mit dem Zusatz „Bio“ vermarktet werden, doch der Käufer weiß nie, was sich genau dahinter verbirgt. Der Verband der Naturtextilhersteller kritisiert vor diesem Hintergrund, dass der Verbraucher weiterhin unnötig verwirrt wird, wenn keine gesetzlichen Regelungen geschaffen werden. Weltweit gibt es derzeit über 100 Siegel, die die nachhaltige Produktion eines Kleidungsstücks bestätigen wollen. Bewertet werden wahlweise Arbeitsbedingungen, der Baumwollanbau, die Abwasserentsorgung. Für den Verbraucher ist es somit nahezu unmöglich, sich auf die Bezeichnung „Bio“ zu verlassen. Dennoch bieten einige der heute bekannten Siegel eine recht solide Orientierung.

Bio Siegel
Bio Siegel

Sechs Siegel mit hoher Aussagekraft

Hinter der Bezeichnung Global Organic Textile Standart (GOTS) steckt ein Zusammenschluss des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN) mit der Soil Association aus Großbritannien, der Organic Trade Association (OTA) aus den Vereinigten Staaten von Amerika und der Japan Organic Cotton Association (JOCA). Das Siegel umfasst die Qualitätssicherung für den ökologischen Anbau und für alle weiteren Schritte im Produktionsprozess. Ein Kleidungsstück muss zu mindestens 90 Prozent aus Naturfasern bestehen. Lediglich bei Sportkleidung dürfen synthetische Fasern in einem Umfang von bis zu 25 Prozent verwendet werden. Ein definiertes Minimum sind allerdings 70 Prozent der Fasern aus biologischem Anbau. Ebenso festgeschrieben ist die Weiterverarbeitung der Fasern. Durch diese Regeln möchte das Siegel garantieren, dass das Endprodukt eine minimale Belastung an Schadstoffen enthält. Das GOTS-Siegel deckt auch soziale Mindeststandards ab. Zugelassene Farben und Hilfsmittel sind festgeschrieben und streng limitiert. Zur Glanzverstärkung darf Natronlauge verwendet werden, optische Aufheller sind zulässig. Accessoires wie Einlagen, Stickgarne und Bänder dürfen aus Viskose bestehen, ebenso sind Knöpfe aus Kunststoff erlaubt. Im weltweiten Vergleich hat das GOTS-Siegel die größte Bedeutung. Unterstrichen wird dies auch durch die Meinung von Greenpeace, die Organisation bewertet das Siegel als bestes Zertifikat am Markt.

 

Gots Siegel
GOTS Logo

 

Ebenfalls von Greenpeace befürwortet wird die Qualitätssicherung nach dem IVN-Label. Es wird für die biologische Produktion von Leder verliehen. Im Jahr 2002 kamen die ersten Standards für das europaweit gültige Zertifikat auf den Markt. Das Siegel orientiert sich an der Reduzierung von Umweltbelastungen, am Schutz der Arbeitskräfte und der Konsumenten der Lederprodukte. Deshalb werden sowohl die Entsorgung als auch die Recyclingfähigkeit der verwendeten Materialien sorgfältig überprüft, die verwendeten Gefahrenstoffe werden dokumentiert.

 

IVN Best Zertifikat
IVN Zertifikat

 

 

Das BEST-Siegel gilt derzeit innerhalb der Europäischen Union als Siegel mit den höchsten Anforderungen an eine nachhaltige Herstellung. BEST umfasst die gesamte Prozesskette der ökologischen Produktion und deckt auch die soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern ab. Nach den strengen BEST-Richtlinien muss jeder zertifizierte Betrieb eine definierte Umweltpolicy vorlegen. Die Maßnahmen zur Abfallreduzierung und zur Minimierung der Umweltbelastung müssen festgeschrieben werden. Die zuständige Zertifizierungsstelle muss Einblick in alle Maßnahmen erhalten. Alle Stoffe müssen zu 100 Prozent aus Naturfasern hergestellt sein, die aus kontrolliert biologischem Anbau oder aus der kontrollierten biologischen Tierhaltung stammen. Künstliche Fasern dürfen bis zu einem Anteil von maximal fünf Prozent verwendet werden. Bei der Verarbeitung dürfen nur Substanzen eingesetzt werden, die nicht in der EU-Richtlinie 67/548 aufgeführt sind. Schließlich deckt das Siegel auch die Verpackung ab, in der kein PVC enthalten sein darf. Alle Transportmittel müssen festgeschrieben sein.

 

Das Naturland-Siegel ist für Konsumenten ein Begriff, die auf Lebensmittel aus biologischer Herstellung achten. Das Siegel gehört neben Bioland und demeter zu den drei großen ökologischen Anbauverbänden in Deutschland. Für einige Bereiche wie die ökologische Waldnutzung, Kosmetik und Textilherstellung wurden in der jüngeren Vergangenheit eigene Richtlinien erlassen. Diese übertreffen die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung. Enthalten sind Standards für nachhaltiges Wirtschaften, für praktizierten Natur- und Umweltschutz, für die Sicherung der bebauten Böden, für Luft und Wasser und für den Schutz des Verbrauchers. Definiert ist ebenfalls, welche Verfahren und Fasern bei der Textilverarbeitung eingesetzt werden dürfen. Die Qualitätssicherung erfolgt regelmäßig an wechselnden Stellen der Verarbeitungskette, dazu werden Rückstandsanalysen durchgeführt. Die von Naturland definierten Grenzwerte dürfen dabei nicht überschritten werden. Die integrierten Sozialrichtlinien müssen den Vorschriften der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) entsprechen.

 

Naturland Siegel
Naturland Siegel

 

Das Gütesiegel Öko-Tex deckt insgesamt drei Zertifikate ab. Der Öko-Test Standard 100 wird am häufigsten verwendet, er deckt die Schadstoffarmut des Textilprodukts ab. Allerdings werden die Herstellungsbedingungen und die Produktion der enthaltenen Rohstoffe nicht mit dem Siegel zertifiziert. Die festgelegten Grenzwerte sinken mit zunehmendem Hautkontakt. In der Vergangenheit wurde einigen Produzenten bereits das Zertifikat entzogen, weil die Maximalbelastung an Schadstoffen nicht eingehalten wurde. Da diese Qualitätssicherung nur stichprobenartig durchgeführt wurde, ist klar, dass die Grauzone der nicht erfassten Kleidungsstücke mit hoher Schadstoffbelastung nicht bekannt ist.

 

Der Öko-Tex Standard 1000 greift für umweltfreundliche Fabrikationsstätten, in denen außerdem arbeitsrechtliche Mindeststandards gegeben sein müssen. Mindestens 30 Prozent der hergestellten Artikel müssen außerdem nach dem Öko-Tex Standard 100 überprüft sein. Das Siegel Öko-Tex Standard 100plus darf verliehen werden, wenn alle beteiligten Produktionsstätten nach dem Standard 1000 untersucht wurden und wenn zusätzlich alle Produkte den Standard 100 erfüllen. Selbst das Siegel Öko-Tex Standard 100plus stellt an die Zertifizierung nach Meinung von Experten allerdings geringere Anforderungen als andere Zertifikate.

 

Oeko Tex Sigel

 

Der bluesign-Standard möchte schließlich eine 180 Grad-Absicherung schaffen. Die Produktionskette soll dabei auf allen Stufen geprüft werden und vom Rohmaterial bis zum Endprodukt kontrolliert werden. Abgedeckt werden sollen unterschiedliche Kategorien wie die Sicherheit von Konsumenten und Mitarbeitern, der Gewässerschutz, die Produktivität der Ressourcen und der Emissionsschutz. Auch eine globale Absicherung kommt hinzu. Letztlich sollen dadurch ausschließlich Einzelteile verarbeitet werden, die für Mensch und Umwelt unschädlich sind.

Bluedesign Standard

Aufgrund der Vielfalt der Siegel für fair produzierte Mode ist es für den Verbraucher nahezu unmöglich, nachhaltig hergestellte Textilien auf einen Blick sicher zu erkennen. Deshalb ist hier vor allem auf deutscher und auf europäischer Ebene noch ein erheblicher Handlungsbedarf gegeben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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